1. Polyamorie 01


    Datum: 16.02.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byBlackHatNCat

    ... meinen Geschmack hatte sie schon zu viel Schulstoff versäumt. Ich wollte nicht, dass sie dadurch Ärger bekam.
    
    Wir planten für unseren Trip nur ein paar Tage ein. Zum Wochenende wollten wir wieder zurück sein, dann würden wir drei unser neues Leben mit einem Startschuss im Bett einläuten.
    
    Nach einer lang andauernden Abschiedszeremonie fuhren Lena und ich endlich los. Die Fahrt verlief reibungslos. Wir brauchten nur einmal anhalten, um den Audi zu tanken, dabei gab ich Lena auch ganz schön etwas zu schlucken. Alles Super.
    
    Nach ungefähr sechs Stunden Fahrt kamen wir in Nürnberg an. Als wir die Wohnung von Lenas Eltern gemeinsam betraten, griff mein sonst so munterer kleiner Teufel nach meiner Hand und wurde sehr nachdenklich. Ich spürte Lenas Unwohlsein. Sanft drückte ich ihre Hand, um ihr zu zeigen, dass ich bei ihr war und wir das zusammen durchstehen würde.
    
    Die Nachbarn hatten sich um die Post gekümmert, aber in der Wohnung war sonst alles noch, wie sie sie verlassen hatten.
    
    Lena schritt andächtig von Raum zu Raum. An der Tür zu ihrem Zimmer blieb sie stehen und drehte sich zu mir: „Das war mein Zimmer, fast zehn Jahre. Hier habe ich schöne Momente erlebt." Schwermütig seufzte sie: „Aber ich glaube, ich kann da drin nicht mehr schlafen. Ich würde denken, dass Mama und Alex nebenan im Schlafzimmer liegen würden. Ich ... ich glaube, das stehe ich nicht durch." Sie hatte schon wieder diesen glasigen Blick. Bevor sie wieder anfing zu heulen, schlug ich vor: „Wir ...
    ... könnten im Schlafzimmer deiner Eltern schlafen, dann ist es, als ob Tina und Alex im Urlaub sind und wir uns heimlich in ihrem Bett vergnügen. Das müsste meinem kleinen Teufel doch gefallen, oder?"
    
    Lena lachte auf: „Stimmt, das würde es." Der Gedanke gefiel ihr offenbar. Ich stellte unseren mitgebrachten Koffer vor dem Doppelbett ihrer Eltern und entfernte gleich die alten Bezüge. Der Geruch ihrer Eltern hing noch daran, doch ich wollte es Lena nicht merken lassen.
    
    In der Zwischenzeit telefonierte Lena mit Lisa. Sie machte den Lautsprecher an und setzte sich zu mir ins Schlafzimmer aufs Bett, damit ich auch mitreden konnte. Lena berichtete von der Fahrt und unseren ersten Eindrücken von der lange verschlossenen Wohnung. Lisa vermisste uns jetzt schon. Zur Ablenkung packte sie ihre Sachen für die Schule und erledigte noch ein paar alte Hausaufgaben. Am Telefon kam sie mir sehr erwachsen und vernünftig vor.
    
    Hinterher bereitete Lena für uns ein Abendessen. Ich lüftete die Wohnung und schaute anschließend nach den wichtigen Dokumenten, die wir mitnehmen wollten. Dabei fiel mir ein Fotoalbum in die Hände. Ich fing an, es durchzublättern. Darin gab es viele Erinnerungen. Nicht nur für Lena, sondern auch für mich. Alex und ich beim Bergwandern oder Kinderfotos von Lena und Lisa. Beim Betrachten der Bilder wurde ich melancholisch. In dem Moment wurde mir der Verlust erst richtig bewusst. Nie wieder Bergwandern mit Alex oder die Freude beim Siegtor unserer Nationalmannschaft ...
«12...828384...145»