1. Devoter Heine


    Datum: 15.08.2023, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byEmaSen

    ... Lafayette extra ein Parfum für ihre Fußsohle und Zehenzwischenräume, diese Matten und Pfade, in denen ich mich am meisten verliere, erstanden zu haben, um mir eine Freude zu machen. Ist das nicht allerliebst?
    
    Von einem plötzlichen Schub an Zuneigung mitgerissen, vergrabe ich meine hingebungsvolle Grimasse tiefer in ihrer Zehenfalte. Überrascht von meiner plötzlichen Wollust lässt sie ihren Vorderfuß hochzucken, erst einige Momente später, wie von der trägen Nachmittagsluft berauscht, damit ich etwas Zeit habe mit den Ausläufern ihrer Hornhaut, auf der sie nun den ganzen Tag gestanden hat.
    
    Der Schatten ihres grauen zackigen Rocks -- ich bitte Sie, sie ist Pariserin -- schweift mein Gesicht.
    
    Sie hat den Überschlag ihrer Beine gelöst mit ironisch aufgewölbten Augenbrauen -- ironisch, weil sie sich wölben wie, ja, wenn Sie mit Tagespolitik vertraut sind, wie Ersatztempel für die Uiguren oder derartiges, deren Religion die Chinesen für sie sicherlich auch neu aufrichten werden, im roten Morgen sozusagen, sobald erstmal die letzte Blutlinien dieses Ostvölkchens zerrieben sind.
    
    Manchmal, und ich muss gestehen, das sind die unpassendsten Momente; gerade gestern -- und, bitte, lassen Sie sich nichts anmerken, sie mag es nicht, wenn andere von ihren zeitweiligen »Verfehlungen« plaudern -- gerade gestern, als sie sich auf mich setzte, auf mich senkte, sagen wir, der Schatten ihres Rockes wuchs und wuchs, bis ich voll von ihm und der Wärme und dem stillen Regen mich ...
    ... ausgefüllt sah -- da wunderte ich mich erst, ob das Rot der Chinesen denn im Zeichen von Abend oder Morgen stünde.
    
    Und dann denke ich, dass wie auch immer ein Gewitter ansteht, nur erreichen mich seine Signale nicht, über all das Gestöhne.
    
    Verziehen Sie keine Miene! Sie haben es versprochen. Nein, sie wünscht es so, dass Sie uns auf diese Weise sehen: Wie wir hier jeweils das Sofa besetzen und darunter liegen, ihre Zehen kokett in mein Gesicht gestreut.
    
    Ich in völliger Hingebung, als gäbe es keine Arbeit in der Welt und sie ruhend, herrschend, wie ein Sturmwind, gleichsam in der Reserve hinter grauen Wolken zurückgehalten.
    
    Ich gebe zu; manchmal plagt sich meine Hosennaht allzusehr damit, nicht einfach heraufzugreifen und das zu gelüsten, das Tor, welches Gott mir in die Wiege gelegt hat zu brandschatzen.
    
    Aber wissen Sie, ich bleibe treu. Zuweilen will sie mit ihren Zeh, ihrem schwitzigen, blumigen Zeh, einem Ruhmschwert der Älteren gleich, denn so prunkvoll stechen diese Ausflüge in meiner empfindlichen Lunge, mein Brustbein hinunterfahren; und wie ein Pflug schnippt sie dann die Hemdknöpfe auf.
    
    Doch dann, auf einmal, wenn sie gekostet hat, wie durch einen Wetterumschwung, wendet sich fühlsam die Elektrizität aller ihrer zarten Härchen und sie tritt mich, wenn ich es nicht geschafft habe, meine Hemdknöpfe schnell genug wieder zu schließen.
    
    Tritt mich mitten ins Gesicht, scharf und strafend. Es kümmert sie dann nicht, dass es knacksen könnte oder sie meine Nase ...