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Devoter Heine
Datum: 15.08.2023, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byEmaSen
... brechen. Ich habe kein Recht, mich vor ihr nackt zu zeigen. Aber ich ahne, dass auch sie, in den seltensten Momenten, den dunkelsten Stunden der Nacht quasi, mit sich kämpft. Das würde niemals nach außen dringen, nein, nicht durch ihre feine Contenance. Dann keimen Wünsche, die sie des Tags bereuen würde. Diese Abstecher ihrer, und, wie Sie immerhin beobachten können, auch unserer Sexualität, verstehe ich als Tagträume jener dunkelsten Stunden. Wo etwas tierisches, rötlich pulsierendes sich in ihren Lippen verfängt und in deren feinen Scharten festsetzt, wie Teer in Asphalt. Wo sie versucht ist, alles infrage zu stellen, weswegen ich an jenem einen denkwürdigen Soiréeabend einer Fremden in die Damentoilette folgte, um ihren weißen Stiletto zu verschlingen. Der Tag, ab dem wir wussten, an dem wir verstanden, was Liebe heißt. Das ist uns doch anzusehen, nicht wahr? Natürlich darf meine eigene Hand niemals in die unteren Gefilde einbrechen, die mein Hosenstall gleich einem goldenen Vorhängeschloss unter ihren wachsamen Morgenblicken endgültig versiegelt; wenn sie noch investigativ blinzelnd auf dem Bett lehnt und ich mich für die Arbeit richte. Was sich darunter an rundem und starkem, ja, Feministinnen pflegen es »toxique« zu nennen, Fleisch verbirgt, dient uns in unserer Beziehung vielleicht manchmal immerhin als Wetteranzeiger, den Luftdruck zu messen, dem wir uns freiwillig in unserer kleinen schäbigen Parisinnenstadtwohnung auszusetzen bereit sind, ...
... gleich einem Strohhalm, den man in einen Tannenzapfen pfropft, um den allesernüchternden Regen vorauszusagen. Ich möchte behaupten, dass mit dem prunklosen Untergang der Verbotenen Stadt, Anfang des letzten Jahrhunderts, Paris zur letzten Hauptstadt der Eunuchen erhoben wurde. Wir versammeln uns, irgendeinem Park zustrebend, in unseren beigen Trenchcoats und die Älteren von uns mögen Hüte tragen, wo die Jüngeren sich in Justin-Bieber-Frisuren ergehen. In unseren scheuen, mausgrauen Blicken aber eint uns Alle dies: Der uns einander rötlich anschweigende Fußabdruck eines uns vertrauten Mädchens. Ach, was sag ich: Einer unserer Göttinnen, bringen wir es auf den Punkt! Wir unterliegen ihnen mit dem Pathos, den die Amerikaner nicht kennen. Ich weiß, drüben schneiden sie ihnen die Schwänze ab oder kicken sich ihre Gehänge in die Unfruchtbarkeit. Sie spießen sich auf, sie baden sich in Exkrementen und Abfall, sie pfloggen sich die gespreizten Ärsche zu. Manche zerreiben ihren Rest an Psyche durch unwiederbringliche Metamorphosen, zu Kleinkindern, Hunden, Pferden, Schweinen, etc. in die sie ihre Seele einschreiben. Alles, um ihre Devotion zur Schau zu tragen. Wir Europäer, besser: wir Franzosen, haben so etwas nicht nötig. Billige Kulisse der Extrema. Wenn die auch nur ahnen könnten, welche Weltreiche sich uns öffnen im subtil blumigen Schweißgeruch dieser einen weiblichen Fußsohle -- welche napoleonische Musen sich mir mit auch nur einem Tropfen Sabber ausgießen, ...