1. Die Zicke von nebenan


    Datum: 13.11.2021, Kategorien: Erotische Verbindungen, Autor: byDimension_Dom

    Eine mittelgroße Stadt irgendwo in Deutschland. An deren Rand ein Neubaugebiet, das vor ungefähr zehn Jahren erschlossen wurde. Auf fast allen Grundstücken stehen neue, aber schlichte Einfamilienhäuser, in jedem zwei bis drei Kinder, die in die neue Kita oder in die neue Grundschule gehen. Es ist wie ein Dorf: Alle kennen sich, angefangen vom Geburtsvorbereitungskurs über die Krabbelgruppe bis hin zur Eingewöhnung im Kindergarten und dem ersten Tag in der Schule. Kerstin, Sybille, Lara, Jens, Thomas, Ralf und wie sie alle heißen, die Eltern in ihren 30ern, die jeden Morgen und Nachmittag ihre Kinder abholen, abgeben oder umherfahren. Es gibt die Ehepaare, die aussehen, als wären sie Geschwister, und es gibt jene, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Es gibt die Netten, es gibt die Meckerer, die Jammerer, jene, die immer grinsen und die immer fröhlich sind. Man mag sich, man akzeptiert sich, man erträgt sich. Was dann daheim in den eigenen vier Wänden passiert, ist eine andere Sache.
    
    Ach ja, es gibt auch die Zickigen. Eine, um genau zu sein. Das war auch ihr dritter Satz, als sie sich vorgestellt hatte: „Ich bin zickig". Das ist sie wahrhaftig. Sie weiß (fast) immer alles besser, sie gibt Ratschläge (gewollte und vor allem ungewollte), sie urteilt, mal ironisch, mal zynisch. Fairerweise muss man sagen, dass sie auch nett und hilfsbereit sein kann -- je nachdem in welcher Phase sie sich gerade befindet. Momentan in einer extrem giftigen. Entweder liegt etwas in der ...
    ... Luft oder es ist der zweite Blutmond im Zeichen des einhörnigen Stiers gekreuzt durch den Sirius im Venusschatten (oder so ähnlich). Damit will ich sagen, dass man nie weiß, woran man bei ihr ist.
    
    Morgens an der Schule teilt sie alle aus, manipuliert, quatscht rein, verwirrt alle und zieht hochnäsig von dannen. Dann macht sie weiter in der WhatsApp-Gruppe und nachmittags am großen Spielplatz. Immer mehr Leute beschweren sich über sie. Leider können wir ihr nicht aus dem Weg gehen, ihre und unsere Kinder spielen viel zu gern zusammen. Keine Ahnung, warum. Aber man muss sich darüber freuen, schließlich befinden wir uns im zweiten Corona-Jahr, die Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten sind stark eingeschränkt.
    
    Es ist ein Mittwochmorgen. Meine Frau ist bei der Arbeit, ich habe die Kinder in der Kita und der Schule abgegeben, und bin auf dem Weg nach Hause ins Homeoffice. Bevor ich mich an meinen PC schmeiße, muss ich noch irgendein Schulheft hinüberbringen. Ja, zu der eben benannten zickigen Dame. Mir graut es schon, ich will nicht, dass sie mich vollquatscht. Ich will es schnell hinter mich bringen. Sie wohnt drei Häuser weiter. Ich klingle. Ich klingle noch einmal. Lässt sie mich absichtlich warten? Ich habe doch bemerkt, dass mich aus dem Fenster beobachtet hat, als ich ihren Vorgarten betreten habe.
    
    Endlich öffnet sie. Sie ist eine der wenigen Frauen, bei der ich meinen Kopf leicht heben muss, wenn ich mit ihr spreche. Sie ist einige Zentimeter größer als ich. Lange ...
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