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Wespensommer
Datum: 26.04.2022, Kategorien: 1 auf 1, Autor: Dingo666
... auf dem Bett, umschlungen, noch ineinander. Suniva hatte die Augen geschlossen, ihre Miene spiegelte stilles Staunen. Ich verspürte bodenlose Angst, aber gleichzeitig auch Zärtlichkeit. Vielleicht auch Liebe. Was für ein mutiges Mädchen. Falls sie überhaupt eines war. Stille. Wo waren die Wespen hin? Ein Rundblick zeigte, dass der Boden um das Bett frei war, wie blankgeputzt. Alle Insektenleichen lagen an den Wänden, in einem gewaltigen Kreis. Als wären sie von einer Explosion hinweggefegt worden. Wir waren alleine im Haus, das spürte ich. Ganz alleine. Suniva schlug die Augen auf. Sie lächelte, als sie mich sah. Ich küsste sie. "Danke, Marty", flüsterte sie. "Du hast mich gerettet. Und... mein Volk." "Es sieht eher so aus, als seien alle tot, oder?" Ich wies mit dem Kinn auf die Überreste an den Wänden. "Sie sterben ohnehin im Herbst." Ihre Augen schimmerten wie nachtschwarze Edelsteine. "Aber ich meinte mein Volk. Das neue." "Das - neue?" Sie schlang mir die Arme um den Nacken und zog mich an sich. Ihre Scheide liebkoste meinen halbschlaffen Schwanz. Er pochte noch warm, tat aber kaum noch weh. "Ich bin die erste meiner Art", flüsterte sie an meinem Ohr. "Ich weiß nicht, wie ich entstanden bin. Mein Volk hat mich erschaffen, weil es sonst stirbt. Gegen die Macht und die Bosheit der Menschen haben Insekten keine Chance. Egal, wie schnell sie sich vermehren können." Dagegen gab es nichts zu sagen. Ich schwieg, und strich ihr nur sanft über die ...
... Haare. "Was wirst du jetzt tun?", fragte ich sie. "Ich weiß es nicht." Sie räkelte sich unter mir und fuhr mit den Fingernägeln über meinen Rücken. "Ich muss noch viel lernen. Über mich. Und meinen Körper. Sonst kann ich keine gute Mutter sein. Keine Königin." "Und - was bedeutet das für uns? Für mich?" "Auch das kann ich nicht sagen." Ihre Schenkel rieben an meinen entlang. "Bei meinem Volk haben die Drohnen nur eine Aufgabe, und die hast du erfüllt. Doch Menschen leben anders. Meine zukünftige Art möglicherweise auch. Unsere Nachkommen werde es uns zeigen." Ich lag ruhig auf ihr, roch ihren unvergleichlichen Duft, und dachte nach. Das funktionierte nun wieder einwandfrei, der Pheromontaumel war vorüber. Die Wespen hier in der Villa waren tot. Alle. Es gab nur noch sie und mich. Konnte ich es verantworten, dass sie ihre Kinder gebar? Meine? Unsere? Was mochten das für Kreaturen sein? Konnten sie den Menschen gefährlich werden? Der Menschheit insgesamt? Würde das nicht eine Alienrasse ergeben, mitten unter uns? Mit meinen Genen, auch noch? Musste ich sie töten? Den Ausbruch im Keim ersticken? Trotz ihrer seltsamen Kräfte war sie an ihren Körper gebunden, den eines dünnen Mädchens. Wenn ich jetzt die Hände um ihren Hals legen und zudrücken würde, dann konnte sie mich nicht daran hindern, das spürte ich. Würde das ein Mord sein? Ein Genozid? Ein Akt der Verteidigung des Homo Sapiens gegenüber einer unglaublich mächtigen Gefahr? "Du kannst mich töten, ...