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Gibt es Ja Gar Nicht
Datum: 29.03.2023, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: bys_napples
... erklärte er mir die Zusammenhänge. „Und was ist passiert?" „Sie kam völlig überdreht zur Schicht, hat wohl gerade wieder einen manischen Schub und keine Tabletten genommen. Mir hat sie gesagt, dass sie eine tolle Nacht hinter sich hätte, kaum geschlafen hätte und ein Mittel gegen ihre Manie gefunden hätte, das besser als die Tabletten wäre." „Und was?" „Hat sie nicht näher erklärt. An der Kasse musste ich sie bald ablösen lassen, weil sie unkonzentriert und fahrig war. Ich habe sie dann ins Lager gesteckt für eine ruhige Arbeit ohne Kundenkontakt." „Aber deshalb musste sie nicht nach Gilead?" „Nein. Außer den Kunden gibt es ja noch Lieferanten. Karin hat sie sich der Reihe nach und manchmal auch zu zweit oder zu dritt im Putzraum gegriffen und sie haben sie der Reihe nach und auch zu zweit und zu dritt durchgenommen, wenn du weißt, was ich meine. Ich hatte vorn viel zu tun und als ich dann mal hinten war, lag sie völlig hysterisch und fertig auf dem kleinen Tisch des Putzraums und ich erfuhr alles über unseren Azubi, der alles mit angesehen hatte und eine Riesenlatte vor sich her trug. Hey, der ist gerade 16 geworden. Wie erkläre ich das seinen Eltern?" „Ich kann ja mal mit ihm reden", schlug ich vor. Er überlegte kurz und verneinte dann. „Das mache ich schon. Auf jeden Fall wurde sie von einer zur anderen Sekunde aggressiv, schlug um sich und warf mit allem, was sie in die Finger bekam und nach Rücksprache mit ihrer Mutter habe ich sie nach Gilead ...
... gefahren und dort ist sie jetzt erstmal gut aufgehoben. Du kannst sie dort besuchen. Kann ich arrangieren, wenn du Lust hast." Ich nickte und er telefonierte mit dem dienst-habenden Arzt und klärte einen Besuch ab. Ich bedankte mich und verließ den Supermarkt. Da ich nichts weiter vorhatte, beschloss ich, Karin in Bethel zu besuchen. Ihr fuhr mit dem 122er Bus bis kurz vor die Haustür und fühlte mich, als käme ich nach Hause. In Gilead IV war ich auch schon eine längere Zeit meines Lebens und befürchte, dass ich den Kontakt zu dieser Einrichtung so schnell nicht verlieren würde. Aber jetzt mal als Besucher. Ich musste mich nur etwas zusammenreißen. Am Empfang wurde ich auf die Station geschickt, auf der Karin war. Ich war nervös und aufgekratzt. Keine guten Voraussetzungen, aber es war an medizinischen Personal niemand zu sehen. Die Station war nicht geschlossen und Karin konnte ich besuchen. Ich fand sie im Aufenthaltsraum, etwas sediert, aber ansprechbar. Sie erzählte mir, dass sie im Rewe wohl ausgerastet wäre und Karl sie nach Gilead gebracht hätte. Ich fühlte mich unwohl, wohl weil ich auch finstere Zeiten hier verbracht hatte und verabschiedete mich von ihr. „komm mich bitte besuchen, wenn ich wieder draußen bin. Es war schön mit dir und einigermaßen normal", gab sie mir zum Abschied mit und ich fühlte mich gleich besser. Den Abend und die Nacht verbrachte ich mit Binge Watching und der Playstation bis zum Morgengrauen. Vielleicht sollte ich mal wieder joggen ...